Mein Demenz Moment der Nähe

Nähe, in einer Zeit der Ferne. Corona lässt dies schwer zu. Während meiner Arbeit als Ergotherapeutin drückt sich Nähe viel durch Handkontakt aus. Die Hand nehmen, halten oder durch eine Handmassage. Nähe kann Sicherheit geben. Besonders dann, wenn Menschen mit Demenz Unsicherheit verspüren, kann das halten einer Hand Halt und Sicherheit geben.

Wenn ich Herr S. zuhause abholte und wir einen Spaziergang machten, hielt ich seine Hand. Herr. S. hatte Demenz im fortgeschrittenen Stadium. An seinem Wohnort wohnte er seit 30 Jahren. Doch das Verlassen des Hauses machte ihn Unsicher. Er wirkte rastlos und stark verunsichert. Also gab ich ihm meine Hand. Ganz vertraut hielt er diese während unserem wöchentlichen Spaziergang fest. Sie zeigte ihm die Richtung, gab ihm Rückmeldung und unterstützte ihn in seiner Wahrnehmung.

In Zeiten von Corona ist die Umsetzung schwierig, aus meiner Sicht aber nicht vermeidbar. 

Jedoch sollte auch Nähe ihre Grenzen kennen. So meint dies auch die Grenze zum persönlichen Raum zu wahren und die Abgrenzung zur Sexualität. Nicht jeder mag es, wenn der persönliche Raum, ca. 50cm um die eigene Person betreten wird. Auch das dauerhafte Berühren an den Schultern oder an der Wange kann Ausdruck von Dominanz sein und als unangenehm wahrgenommen werden.

Bei Menschen mit Demenz kann auf die Signale geachtet werden. Gebe das zurück, was die/ der Betroffene sucht. Aber zeige auch deine persönlichen Grenzen auf, denn auch Betreuende, Therapeuten und Angehörige haben ihren persönlichen Raum der nicht überschritten werden sollte.

Zu Weihnachten wünsche ich mir, trotz der Pandemie Nähe.

Nähe im Briefkontakt, nähe im persönlichen Kontakt (unter den aktuellen Bedingungen) und nähe über telefonischen Kontakt.

-Marina-