Menschen mit Demenz in der Vorweihnachtszeit begleiten.

Demenz verändert die Wahrnehmung eines Menschen. Äußere Reize werden verändert wahrgenommen. Auch die Antwort, also die Reaktion auf einen Reiz verändert sich.

Wie funktioniert Wahrnehmung?

Ein Reiz, beispielsweise der Duft von frisch gebackenen Gebäck liegt in der Luft. Dieser Duft trifft auf unsere Sinne. In diesem Fall auf Rezeptoren in der Nase. Die Signale werden an unser Gehirn weitergeleitet. Verknüpft mit unseren Erfahrungen und unserem erlernten Wissen erkennen wir, dass es sich um Gebäck handelt. Anschließend folgt eine Reaktion. Jede Reaktion ist Individuell anders. In meinem Fall löst der Duft von soeben gebackenen Gebäck Glücksgefühle aus. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen und ich bin interessiert daran, schnell etwas davon essen zu dürfen.

Bei Menschen mit Demenz läuft der Wahrnehmungsprozess verlangsamt und durch denn Abbau von Nervenzellen im Gehirn verändert ab. Erfahrungen und Erinnerungen können, mit dem fortschreiten der Demenz weniger gut verknüpft werden. Informationen aus frühester Kindheit und welche, die häufig aktiviert wurden bleiben am längsten erhalten.

Wie können wir alte Erinnerungen bestmöglich wecken um auch Demenz Erkrankten ein wenig in weihnachtlicher Stimmung mit zu nehmen.

Im Vordergrund steht die Biographie des Betroffenen. Wie wurde Weihnachten im laufe des Lebens gefeiert. Welche Traditionen und Bräuche hat es gegeben. Welche Werte wurden gelebt. Wenn uns diese Information vorliegen können wir bestmöglich handeln.

Wie können einzelne Sinne aktiviert und Erinnerungen geweckt werden :

  • Riechen: Tannenduft durch einen frischen Tannenkranz erzeugen. Duftöle (Orange, Tanne) verwenden. Wichtig: außer Reichweite stellen um Verletzungen o.ä. zu vermeiden.
  • Sehen: Weihnachtliche Dekoration anbringen. (alter Nussknacker, Walnüsse). Tipp: Weniger ist mehr. Auf amerikanische Dekoration oder neue Trends verzichten.
  • Hören: treffende Musik abspielen. (z. B. Weihnachtschor)
  • Schmecken: Tee’s und Gebäck anbieten.
  • Fühlen: Gebäck, Walnüsse und Tannenzweige können in die Hand gegeben werden. Sie können ertastet und wahrgenommen werden. Vielleicht liegt draußen bereits Schnee und ihr habt die Möglichkeit, Menschen mit Demenz etwas Schnee zum ertasten anzubieten.

Bei all den Äußeren Reizen die ihr anbietet ist es wichtig, darauf zu achten, dass ein Bezug zur Biographie (Lebensgeschichte) vorhanden ist. Unbekannte Reize können bei fortgeschrittener Demenz zu Irritation und Rückzug führen. Zudem ist jeder Mensch anders. Akzeptiert also auch, wenn angebotene Reize nicht gemocht werden.

Welche Gefahren müssen berücksichtigt werden:

Aufgrund einer veränderten und langsamen Wahrnehmung solltet ihr auf folgendes achten:

  • Spitze Gegenstände nur unter Aufsicht in der Umgebung des Betroffenen lassen.
  • Vorsicht bei heißen Getränke und offenem Feuer wie beispielsweise Kerzen
  • Nahrungsmittel Attrappen vermeiden. Sie könnten gegessen werden.

Was, wenn der Mensch mit Demenz die Erinnerungen traurig macht?

Alte Erinnerungen und Erfahrungen können auch weniger schöne Emotionen auslösen. In dieser Situation ist es angebracht Beistand zu leisten. Tröstet und nehmt die Gefühle wahr. Menschen mit Demenz möchten, wie jeder andere Mensch ernst genommen werden. Emotionen können gespiegelt (Validation) werden. z. B. „das macht dich traurig“. Anschließend kann mit einem Sprichwort, oder dem ansehen eines Fotos aus der Zeit wieder auf weitere Themen und Erinnerungen gelenkt werden. Bei weit fortgeschrittener Demenz sollte auf zu viel Gesprächen, komplexe Sätze und offene Fragen verzichtet werden. Nähe und die Anwesenheit können bereits unterstützen und wohltuend wirken.

Habt eine schöne VORWEIHNACHTSZEIT.

Buchempfehlung zur weihnachtlichen Aktivierungen:

-Marina-