Schmerzskala zur Erkennung von Schmerz bei Menschen mit Demenz

Schmerzbeurteilung bei fortgeschrittener Demenz.

Die Schmerzempfindung ist so individuell wie auch der eigene Umgang mit Schmerzen. Manche teilen sich mit, suchen Hilfe und suchen Zuneigung. Andere hingegen möchten sich nicht darüber austauschen, lehnen unterstützen ab und versuchen im stillen damit umzugehen.

Menschen mit Demenz im fortgeschrittenen Stadium ist es irgendwann, aufgrund der Einschränkungen durch die Demenz nicht mehr möglich sich treffend mitzuteilen und gegebenenfalls Hilfe anzufordern. Ganz klar ist aber doch: keiner sollte Schmerzen erleiden müssen. Ist die Selbstauskunft nicht mehr möglich, so müssen andere Informationswege herangezogen werden, um zu erkennen ob Schmerzen empfunden werden.

Ich möchte euch im folgenden eine Beobachtungsskala vorstellen, welche anhand von 5 Kategorien Hilfestellung zur Erkennung von Schmerzen bei Menschen mit Demenz gibt. 

Was ist eine BESD?

Die Beurteilung von Schmerz bei Demenz (BESD) ist eine aus dem Amerikanischen übersetzte Beobachtungsskala. Bezugspersonen und Vertraute können mithilfe der Beobachtungsskala folgende fünf Kategorien beobachten und Veränderungen des Verhaltens als Schmerzen deuten:

  • Atmung
  • Negative Lautäußerungen
  • Gesichtsausdruck
  • Körpersprache
  • Trost

Die einzelnen Beobachtungspunkte können mit maximal zwei Punkten bewertet werden:

0 Punkte : kein Schmerzverhalten erkennbar – Schmerz nicht ausgeschlossen!
1 Punkt : erhöhte Aufmerksamkeit für mögliche Schmerzursachen und weitere Anzeichen für Schmerzen
ab 2 Punkte : Schmerzen wahrscheinlich

Die BESD wird im besten Fall zwei mal durchgeführt. Im Ruhezustand sowie in Aktivität oder in einer anders gelagerten Körperposition durchgeführt. Sehr wahrscheinlich sind Schmerzen, wenn eine Schmerzbehandlung (Behandlungsversuch) zu einer Reduktion der BESD führt.

Weitere Informationen zur Skala findet ihr hier.

Auswertung und Interpretation der BESD-Skala

Die Auswertung der Skala mit bis zu maximal 10 Punkten gibt keine direkte Anweisung zur Behandlungsmöglichkeit. Sie sollte auch nicht mit einer Selbstauskunft gleichgestellt werden. Bislang durchgeführte Studien kommen zu unterschiedlichsten Ergebnissen. Klar ist aber, dass auch bei einer Bewertung von 0 Punkten ein Schmerz nicht ausgeschlossen werden kann. Der Betroffene zeigt nur keine sichtbares Schmerzverhalten. Wichtig ist, mit dem behandelnden Arzt in Zusammenarbeit Maßnahmen zu besprechen und Veränderungen im Verhalten wahrzunehmen.

In meiner Arbeit als Ergotherapeutin, gab mir die Skala bereits viele male Rückmeldung über das Verhalten. Gelegentlich hilft es mir auch, Menschen mit Demenz intensiver zu erkennen. Es macht aufmerksam auf Details und zeigt mir Veränderungen im Wohlbefinden. Besonders gerne nutze ich die Skala, da sie keine Defizite aufweist und Menschen mit Demenz nicht bloß stellt. Es werden keine Fragen gestellt, die möglicherweise zu Unbehagen bei den Betroffenen führen oder in die Intimsphäre eingreifen.

Ich wünsche mir, dass diese Skala in der Praxis noch häufiger Anwendung findet.

-Marina-

Quelle: DEUTSCHE GESELLSCHAFT ZUM
STUDIUM DES SCHMERZES e.V. (DGSS)
Sektion der International Association for the Study of Pain (IASP)

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